Zucker
“Und als ich ihr dann noch die Kette geschenkt habe war sie ganz mein. Zuckersüß mein Mädchen.” lachte Tom.
“Ja Mann wurde auch mal Zeit daß du ne Freundin abkriegst du alter Sack.”
“Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen.” schoß Tom zurück.
Kai ließ sein breites Grinsen sehen.
“Wer weiß vielleicht hab ich dir nur nie erzählt wenn ich mir welche aufgerissen hab.”
Tom lachte auf.
“Natürlich. Muß ich die ganzen Jahre übersehen haben, daß du der krasse Aufreißer bist.”
Kai grinste immernoch.
“Exaktemente.”
Für einen Moment sagte keiner der beiden etwas und Kais Grinsen verblaßte langsam wieder. Dann war es plötzlich wieder da.
“Und was habt ihr heute vor? Kommt ihr auch auf die Geburtstagsparty von Tannach? Oder habt ihr vor das ganze Wochende im Bett zu verbringen?”
Kais grinsen war breiter denn je. Man sah jede Menge Zähne. Aber jetzt grinste Tom ebenso breit.
“Hey Mann wir sind jung. Mann soll sündingen solange man noch kann.”
“Das war klar. Aber ernsthaft: ihr schaut schonmal rein oder? Hab keine große Lust allein auf Tannachs Party mit den ganzen Kiffern rumzuhängen.”
“Wär doch die ideale Gelgenheit dir auch endlich ma ne Freundin zu besorgen.”
“Hey jetz wo dus sagst – hab ich bis jetz garnich dran gedacht. Jo das is gut dann hab ich das Wochende über wenigstens was zu tun.”
Diesmal war Kais Grinsen lange nicht so breit und irgendwie auch nicht sehr überzeugend. Seine Augen schienen einen weit entfernten Punkt zu fixieren.
Tom wußte, daß es besser war das Thema zu wechseln.
“Ich schätze du hast mal wieder nix für BWL gelernt.”
Kai schien es schwer zu fallen die Augen von dem Punkt los zu reißen. Schließlich gelang es ihm aber doch und er sah Tom ins Gesicht. Sein Grinsen war wieder da.
“Mann wir haben doch vorher noch Doppelstunde Mathe. Das is mehr als genug Zeit um das ganze Zeug noch mindestens zweimal durchzugehn und noch zwei, drei Beispiele zu allem zu machen.”
“Mit anderen Worten: wieder mal ne 5.”
“Fresse Mann.”
“Langsam würd ich aufpassen – die 5 in Deutsch haste schon so gut wie sicher. Du bist so unbegabt – du wirst bestimmt mal Schriftsteller.”
Tom lachte.
“Ich hab gesagt Fresse Mann.”
Kai schlug Tom auf die Schulter.
“Okay okay bitte nicht mehr schlagen.” lachte Tom.
Der erste Gong hallte durchs Schulhaus.
“Shit schon wieder so spät. Ich muß nochmal für Königstiger.”
Tom sprang auf und lief aus dem Klassenzimmer.
“Eher für Kanalratten.” rief im Kai hinterher.
Sobald Tom das Zimmer verlassen hatte griff Kai unter Toms Bank und nahm seinen Rucksack. Er machte ihn unter der Bank auf damit niemand anders im Klassenzimmer es sehen konnte. Er suchte nach Toms schwarzer Tasche in der er sein Spritzbesteck mit dem Insulin aufbewahrte. Etwas nervös öffnete er die Tasche und nahm die kleine Flasche mit Insulin heraus. Er schaute sich noch einmal um ob jemand in beobachtete. Alle unterhielten sich oder starrten auf ihre aufgeschlagenen Ordner. Gut. Er griff in seinen eigenen Rucksack und suchte nach der Insulinflasche die er selber mitgebracht hatte. Statt dessen fand er die Kette. Als er sich noch einmal vergewissert hatte, daß niemand ihm zusah zog er sie langsam aus dem Rucksack. Sie war etwas starr durch das geronnen Blut das sich zwischen ihren Gliedern festgesetzt hatte. Er hätte sie sauber machen sollen aber irgendwie gefiel ihm die Kette so. Einen Moment starrte er sie nur an. Das Wort ‘Süß’ das seine Gedanken plötzlich formten riß ihn aus seiner Starre. Schnell steckte er sie wieder zurück in den Rucksack. Nur einen Augenblick später hatte er auch die Insulinflasche gefunden. Kai wog sie in der Hand. Eigentlich war es keine Insulflasche. Gut auf der Flasche stand zwar Insulin doch sie enthielt kein Insulin sondern eine extrem starke Zuckerlösung. Kai tauschte die beiden Flaschen aus und lies Toms Flasche in seinem Rucksack verschwinden. In dem Moment als er Toms Rucksack wieder zurückgelegt hatte kam gerade Tom wieder zur Tür herein.
“Und hab ich was verpaßt?” fragte Tom während er sich wieder auf seinen Stuhl fallen ließ.
“Du hast ja keine Ahnung.”
Kais Grinsen zeigte jede Menge Zähne.